Rückblick: „Lieder an den Frühling gerichtet“

CHORKONZERT – Vocalensemble Harlingerland intoniert in St. Magnus

(Bild oben: Manfred Briese)

von Manfred Briese

Mit diesem Konzert knüpft das Ensemble an die großen Erfolge der Vergangenheit an.

ESENS. Gut gefüllt war die St.-Magnus-Kirche, als das Vocalensemble Harlingerland nach der Begrüßung durch Pastor Thomas Arends die ersten Töne anstimmte.

Lieder von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert Schumann und Johannes Brahms bildeten das Programm – eine Rarität. Denn wo kann man heutzutage diese mitreißend und schönen Lieder der Romantik noch hören?

Mendelssohns „Sechs Lieder im Freien zu singen“ wurden a cappella vorgetragen. Ganz besonders der „Lerchengesang“ mit zwitschernden Tonfolgen im Wechsel der Stimmen begeisterte. In „Jagdlied“ konnte man den Galopp der Pferde, der durch die Punktierung im Rhythmus bewirkt wird, heraushören.

Den zweiten Programmteil bestritt Ulrich Knieriem am Klavier. Die Melodien „Aus den Kinderszenen op. 15“ von Robert Schumann sind nicht unbekannt. In jedem der Lieder wird der Inhalt beschrieben. Besonders der „Hasche-Mann“ war gut herauszuhören. Die „Wichtige Begebenheit““ drückte sich in schweren Akkorden aus. Nahe am Wichtigtuer. Ulrich Knieriem begleitete anschließend das „Zigeunerleben“, ebenfalls von Schumann. Fremdartig das Leben dieser Menschen, die sich ihre eigene Kultur erhalten haben, fast exotisch. Ulrich Knieriem begleitete den Gesang sehr einfühlsam.

Der zweite Teil von Schumanns Kinderszenen begann mit den sehr bekannten „Träumereien“. Es folgte „Am Kamin“, im Gegensatz zu dem ersten Stück sehr unruhig. Muntere Kamingespräche eben. Der „Ritter von Steckenpferd“ hoppelte mutig durch das Kinderzimmer, nicht ohne anzuecken. Dazu bildete „Fast zu ernst“ einen starken Kon-trast. Im abschließenden Kinderlied „Fürchtenmachen“ wurden ruhige und schnelle Läufe durch plötzliche Stopps unterbrochen. Wirklich zum Fürchten.

Den Programmschluss bildeten „Vier Quartette für Chor und Klavier op. 92“ von Johannes Brahms, der später lebte und der Hochromantik zuzuordnen ist. Die Brahms-Kompositionen unterscheiden sich von den beiden Älteren durch bis dahin ungewohnte Harmonien und Wendungen. Sie stellen an einen Chor höhere Anforderungen. Schwermütig, mit überraschenden Schleifen, dramatisch ansteigende und abfallende Formen. Das „Warum“ ließ den Chor so richtig aus seinen Fesseln.

Die Zuhörer wurden mit dem ergreifenden Abendlied von Josef Gabriel Rheinberger als Zugabe nach Hause entlassen: „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“. Mit diesem Konzert hat das Vocalensemble Harlingerland an die großen Erfolge der Vergangenheit angeknüpft. Ihm zuzuhören war ein Genuss.

(Dieser Artikel stammt von aus der Ausgabe vom 22. Mai 2019, Seite 5 des